Ist es richtig, dass in Italien in den meisten Fällen das Recht so ausgelegt, dass der Vater seine Kindern nicht mehr sehen darf ?

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Offene Anfrage:

Ich habe eine Frage betreffend das Sorgerecht bei Scheidung in Italien.

Ein Freund von mir behauptet, dass wenn sich ein Ehepaar (beide Italiener) in Italien scheiden lässt, dann bekommt die Mutter automatisch die Kinder.
Und wenn es zu der Scheidung kam, weil der Vater eine andere Frau hat (also eine andere Beziehung angefangen hat), dann darf er die Kinder nicht mehr sehen.
Also die Mutter darf ihm das Recht dazu verweigern.
Er behauptet, dass obwohl im Gesetzbuch etwas anderes steht, das Recht eben so ausgelegt wird.
Er kenne viele Väter, denen das so passiert ist.

Was ich bisher gelesen habe, darf so ein Grund überhaupt keine Rolle in Bezug auf die Feststellung des Sorgerechts und erst recht bzgl. des Rechts die Kinder zu sehen spielen.

Ist es richtig, dass in Italien in den meisten Fällen das Recht so ausgelegt wird und bei diesem Sachverhalt es tatsächlich dazu kommt, dass der Vater seine Kindern nicht mehr sehen darf ?
Oder geschieht das vielleicht, weil die Meisten nicht über alle Mittel und Kenntnisse verfügen (sagen wir mal) auf ihr Recht zu bestehen und es durchzusetzen?

Antwort von Rechtsanwalt Kah:

Auch in Italien orientieren sich die Gerichte bei der Frage, bei welchem Elternteil das Kind nach der Trennung der Eltern leben soll, am Kindeswohl.
Dennoch wird in den meisten Fällen der Lebensmittelpunkt des Kindes bei der Kindesmutter festgelegt.
Dem Kindesvater wird ein Umgangsrecht eingeräumt.

Ein Automatismus ist dies aber nicht.

Das der Vater sein Kind nicht mehr sehen darf, weil er sozusagen aus der Ehe ausgebrochen ist, entbehrt jedweder gesetzlichen Regelung.
Es gibt dahingehend auch keine Rechtsprechung in Italien.
Dies würde dem Wohle des Kindes nicht entsprechen.
Im Übrigen würde dies auch gegen europäische Menschenrechtsregeln verstoßen.
In keinem europäischen Land wäre es zulässig, den Kontakt zwischen Kind und Vater zu unterbinden.
Es sei denn, ein solcher Kontakt würde das Kindeswohl erheblich gefährden (Drogensucht, psychische Krankheit des Vaters usw.).
Im Normalfall ist eine solche gerichtliche Regelung daher ausgeschlossen.

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